Selfbogen aus heimischen Hölzern


Bauanleitung und persönliche Erfahrungen
Text und Fotos: Eckhard Irmer

Gedanken zum primitiven Holzbogen


Eschebogen mit modernem Griffstück
  Warum mache ich mir die Mühe einen eigenen Bogen zu bauen, wo es doch Bögen zu kaufen gibt, die in ihrer Wurfleistung und Haltbarkeit besser sind als die einfachen "primitiven"?

Diese Frage habe ich mir oft gestellt. Doch sie ist nicht so einfach zu beantworten.
Ich schieße auch einen glasbelegten Longbow, doch irgendwie.....(grübel, grübel, grübel.).

Fakt ist: Seit ich Bögen baue hat sich meine Einstellung zum "Gegenstand Bogen", und zum Holz im Allgemeinen gewaltig geändert. Von dem Zeitpunkt an, an dem ich meinen erster Bogenrohling so weit hatte, das er anfing, sich zu biegen, verwandelte sich das tote Holz unter meinen Händen in ein lebendiges Etwas. Eine Art Schöpfungsakt, der sich durch mich vollzog. Es war mein Werk.
Ein Bogen, der durch eigene Hände Arbeit entstanden ist, ist immer ein guter Bogen. Auch wenn die 600.- oder 1500.- EURO-Bögen besser schießen als der "primitive", so ist er trotzdem der Bessere, weil er eben von mir selbst gebaut wurde und meine Einstellung zu ihm wesentlich inniger ist als die zu einem Konsumartikel.

Der Begriff Selfbow   Der englische Begriff Selfbow (frei übersetzt also Selbstbogen) bedeutet nicht etwa, dass es mein eigener Bogen ist, oder von mir selbst hergestellt wurde, sondern besagt lediglich, dass es sich hierbei um einen Bogen handelt, der aus einem Stück hergestellt wurde.

Er besteht also nur aus einem Stück Holz. Und damit haben wir auch schon einen guten Übergang zum ersten Thema, dem Bogenholz.

Das Bogenholz   In früheren Zeiten war der Bogenbauer auf das Holz beschränkt, das für ihn in der Umgebung verfügbar war. Heute kann ich mir fast jedes, auch noch so exotische Holz beschaffen.
Bogenholz sollte biegsam sein und über gute Rückstell-, oder auch Rückschnell-Eigenschaften verfügen. Der Bogen muß beim "Biegen" enorme Kräfte aufnehmen. Das Holz am Bogenrücken wird gestreckt und großen Spannungen unterworfen, während der Bogenbauch zusammengedrückt und gepresst wird.
Nicht jedes Holz ist in der Lage, diese enormen Beanspruchungen auszuhalten. Es gibt neben den klassischen Bogenhölzern, wie sie weiter unten beschrieben sind, noch eine ganze Reihe von, zum Teil auch heimischen Holzsorten, die durchaus einen anständigen Bogen abgeben können.
Ich verarbeite daher alles was sich biegt und mit dem Messer schneiden läßt. Frei nach dem Motto: "Auch wenn er nachher nicht schießt, schlauer bin ich durch ihn geworden."

Heimische Hölzer   Für Deinen ersten Bogen würde ich Dir leicht zu beschaffene und daher billige Hölzer aus der Region empfehlen. Geeignet sind Esche, Robinie und Ahorn, um nur die bekanntesten zu nennen.

Esche ist sehr leicht zu beschaffen und billig. Es eignet sich sehr gut für Flachbögen mit oder ohne Sehnenverstärkung. Es lässt sich leicht bearbeiten und ist gut zu biegen. Eschenbögen neigen zum Stringfollow (der Bogen behält die Biegung bei).

Robinie verfügt über bessere Rückstelleigenschaften wie Esche. Es ist allerdings schwierig, einen geeigneten Rohling zu beschaffen, da das Holz sehr knotig ist und viele Äste besitzt. Robinie gibt einen guten Flachbogen ab.

Ahorn ist das teuerste der 3 Hölzer. Es lässt sich sehr gut verarbeiten und verfügt über gute Rückstelleigenschaften. Bergahorn hat als Bogenholz einen sehr guten Ruf. Ich verarbeite Ahorn zu Flachbögen.

Importe aus Amerika   Die wirklich "edlen Bogenhölzer" kommen aus Amerika. Durch den Import sind allerdings auch die Preise "Edel".

Eibe ist das legendäre Bogenholz überhaupt. Es ist sehr weich und hat hervorragende Wurfeigenschaften bei einem weichen Auszug. Aus Eibe werden sowohl Flachbögen, mit breiten Wurfarmen, wie auch englische Langbögen, mit rundem Querschnitt hergestellt.

Osage Orange, das Bogenmaterial der Indianer aus dem Missouri-Gebiet, verfügt über ähnlich gute Eigenschaften wie die Eibe, ist aber sehr hart und daher schwer zu verarbeiten. Osage eignet sich hervoragend für Bögen mit rechteckigem Querschnitt.

Schwarze Robinie (Black Locust) hat nicht ganz so gute Eigenschaften wie die beiden Vorgänger, ist aber der Esche bei weitem überlegen. Es wird zu Flachbögen verarbeitet.



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